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Grand Combin (4314 m)

Überschreitung: Südflanke / Normalweg

Bericht
11.-12. September 1999

Der Sommer 1999 war für uns bisher ziemlich mäßig, was größere Touren betrifft. Bei den Alpenvereinstouren war das Wetter zwar meist recht gut - wir haben sogar erstmals alle geplanten AV-Touren geführt und alle Leute auf alle Gipfel gebracht - aber allzuviel Neues konnten wir selber uns kaum gönnen. Es wird also Zeit, wieder mal einen 4000er aus der Wunschliste anzugehen.
Am Grand Combin haben wir uns sowieso schon ein paarmal versucht:
  • Im Aug. 1990 waren wir am Westgrat im schuttigen, unübersichtlichen Gelände gescheitert.
  • Im Feb. 1993 waren wir im Corridor bis 3900 m gekommen, als es pötzlich zuzog.
  • Im April 1995 haben wir zwar zur Akklimatisation den Combin de Corbassière (3716) bestiegen, aber am entscheidenden Tag was das Wetter schlecht.
Die diesjährige Aktion beginnt mit dem vierstündigen Hüttenaufstieg zur Cabane de Valsorey (3030 m). Abgesehen von starkem Gegenverkehr durch Rindviecher sind die vielen kleinen und mittleren Gegensteigungen recht lästig. Der Weg ist auch recht steinig und für einen Hüttenweg oft eng.
Trotz Wochenende und schönem Wetter ist in der Cabane de Valsorey nicht allzuviel los. Im Gegensatz zu manch anderen Hütten-Großbetrieben kann sich hier der Hüttenwart den einzelnen Gruppen widmen, was er auch gerne tut.
an der Cabane de Valsorey
Das Brunnen-Krokodil (?) der Cabane de Valsorey

Am Sonntag geht es um halb fünf los. Das Wetter sieht nicht sooo toll aus, es ist neblig. Zuerst folgen wir dem Normalweg über den Col du Meitin, queren aber nach einer halben Stunde auf dem Gletscherchen nach rechts. Mittlerweile sind wir freundlicherweise über dem Nebel und sehen, wo wir hinmarschieren. Wir folgen einem Weg im Schutt aufwärts, danach mit zumehmender Steilheit durch Schnee und Schutt aufwärts zum Plateau du Couloir (3660 m). Beim Herunterschauen ist ziemlich klar, dass ein Abstieg über diese Route nicht optimal wäre.
Vom Plateau aus folgt man einem wieder flacheren Schutthang, der sich am Ende aufsteilt zur Südwand. Das Gelände ist durchschnittlich etwa 45° steil und meist sehr leicht, manchmal ein paar Ier, vielleicht ein, zwei IIer-Stellen. Aber der herumliegende Schutt zwingt zu großer Vorsicht, besonders weil vier andere Bergsteiger unter uns aufsteigen.
morgens in der Südflanke, ca. 3800m
Morgens in der Südflanke, auf ca. 3800 m

im Gipfelaufschwung
Im Gipfelaufschwung am Gd. Combin de Valsorey

In zwei Stunden ist das Ende dieser Flanke links des Gipfelaufschwungs erreicht. Da im Führer was von II+ steht, legen wir das Seil an, was wir uns im Nachhinein gut hätten sparen können. Die nächsten 80 Meter sind schön gestuftes Gelände im II. Grad, fast ohne Schutt - also wirklich angenehm. Um halb zehn sind wir am Gipfel des Grand Combin de Valsorey, 4184 m. Hier steht ein kleines Gipfelkreuz aus Holz.
Grand Combin de Valsorey
Grand Combin de Valsorey (4184 m)

Grand Combin de Grafeneire
Der Combin de Grafeneire ist jetzt nicht mehr weit.

Blick zum Mont Vélan
Tiefblick zum Mont Vélan. Die Cabane de Valsorey ist durch einen grauen Kreis rechts unten hervorgehoben.

Vom Grand Combin de Valsorey steigt man 50 m ab und wieder 180 m auf zum Hauptgipfel, dem Grand Combin de Grafeneire (4314 m). Anstatt eines Gipfelkreuzes begüßt einen hier ein kleiner Sendemast. Wir können eine weite Aussicht genießen, die aber von den aufsteigenden Quellwolken aufs Wichtigste beschränkt wird: Nur die Viertausender schauen noch aus der weißen Masse heraus. Matterhorn, Dent Blanche, Weißhorn, Monte Rosa und in der anderen Richtung Gran Paradiso und Mont Blanc.
Combin de Grafeneire
Am Ende des 20. Jahrhunderts steht auf dem Gipfel - ein Funk-Umsetzer (Gd. Combin de Grafeneire, 4314 m)

Der Vollständigkeit halber möchten wir eigentlich zum Grand Combin de la Tsessette hinübergehen. Der Grat über die Aiguille de Croissant sieht aber doch etwas scharf aus, so versuchen wir von der Seite an die Mur de la Côte zu queren. Die stellt sich aber dann als nicht absteigbar heraus (ca. 60°); wir folgen also dem Normalweg nach unten und lassen den Tsessette aus.
Der Abstieg über den Normalweg verläuft dann auch etwas anders als geplant: Eine etwa zehn Meter hohe Steilstufe ist nur per Abseilen zu überwinden; zum Glück steckt schon eine Eisschraube. Der Setzer dieser Schraube hätte sie aber ruhig in etwas sichereres Gelände platzieren können, denn so kostet allein das Erreichen dieses Punktes eine ganze Menge Zeit. Weiter unten noch ein Steilstück, und dann kommen weniger steile Hänge - denken wir. Aber auch diese Hänge sind 35-40° steil, und es liegen nur ein paar Zentimeter Schnee auf dem Eis. Also müssen wir das Meiste zumindest ein bisschen sichern. Das dauert, und über uns drohen senkrechte Eistürme - die fallen gerne recht unmotiviert um, sagt man. Für die 600 Höhenmeter herunter bis auf den Gletscher brauchen wir so zweieinhalb Stunden; es ist jetzt zwei Uhr.
NNW-Flanke NNW-Flanke
Abstieg in der Nordnordwest-Flanke

Col du Meitin Am Col du Meitin. Durch das schmale Schneefeld diagonal durchs Bild ging unser Aufstieg am Morgen.


Um drei erreichen wir - jetzt schon im Nebel der Quellwolken - den Col du Meitin (3611 m). Nun geht es nur noch bergab zurück zur Hütte, wo wir um vier ankommen.
Der Hüttenwart erzählt uns auch, dass einer aus der Gruppe, die unsere Aufstiegsroute abgestiegen sind, ein großes Stück abgerutscht ist und schwer verletzt vom Hubschrauber geborgen wurde. Auch wenn es sehr lange gedauert hat, war es vielleicht doch die bessere Entscheidung, über den Normalweg abzusteigen.
Der restliche Weg bis zum Auto dauert nochmals knapp über zwei Stunden.
unterhalb der Hütte
Unterhalb der Hütte: Über den steilen Schutthängen oberhalb der Hütte sieht man die Südflanke


Praktische Hinweise

Hüttenzustieg zur Cabane de Valsorey (3030 m)
Telefon Hütte: +41 27 787 1122. Meist ist nicht allzuviel los, Anmeldung für größere Gruppen ist aber sicher sinnvoll. Das Hüttenwartspaar ist recht nett, gibt gerne Auskunft und behandelt jeden (Halbpension oder nicht) ordentlich.
Von Bourg-St-Pierre kann man auf der Straße noch ein Stück ins Tal hineinfahren, bis ca. 1800 m. Ab dort dem Weg folgend (mit einer ganzen Menge Gegensteigungen, aber die merkt man erst richtig am Rückweg) über Chalet d'Amont (2100 m) zur Hütte, ca. 4 Stunden.
Von der Hütte zum Plateau du Couloir und durch die Südwand zum Grand Combin de Valsorey (WS/II)
Von der Hütte erst denselben Weg wie zum Normalweg über den Col du Meitin, d.h. erst ein paar Minuten den (wirklich offensichtlichen) Steinmännern nach, dann auf dem Glacier du Meitin erst hoch, dann übers Plateau nach rechts und auf die Rinne, die vom Plateau du Couloir herunterzieht, zu. Teilweise auf Wegspuren im Schutt, teils im Schnee aufwärts, nach oben steiler werdend und oben ziemlich links haltend, zum Plateau du Couloir. Etwas südlich steht das Biwak Musso (10 Plätze, bei 5 Personen soll's aber auch schon eng genug sein).
Von hier geht man einigermaßen links aufwärts zum Grand Combin de Valsorey. Das Terrain ist leicht, aber schuttig. Ein paar IIer-Stellen, aber sonst einfach. Man kommt oben links unter dem eigentlichen Gipfelaufschwung heraus und geht diesen in der Südflanke an. Das letzte Stück ist angenehm schuttfrei und recht einfache (II) Kletterei.
Grand Combin de Valsorey - Grand Combin de Grafeneire (L)
Einfaches Gletschergelatsche. Eine halbe bis dreiviertel Stunde.
Wie kommt man vom Grafeneire jetzt wieder runter? (WS/ZS)
Das ist eine gute Frage. Der Aufstiegsweg ist recht prekär wegen des vielen Schutts und der doch beachtlichen Steilheit der Flanke unterhalb des Plateau du Couloir. Die Mur de la Côte scheint momentan für den Abstieg ungeeignet, weil sehr steil (ca. 60°). Für den Abstieg über den neuen Normalweg sollte man mindestens jeder eine Eisschraube dabeihaben, evtl. muss man eine zurücklassen. Das ganze Gelände bis zum Gletscher hinunter ist recht steil und liegt direkt unter den Séracs. Mir persönlich ist daher nicht klar, welchen wesentlichen Vorteil diese Route gegenüber dem "Corridor" hat - denn eisschlagbedroht sind beide. Der "neue" Normalweg bietet allerdings einen etwas direkteren Weg zum Hauptgipfel, denn über den Corridor muß man sich irgendwie die Mur de la Cote hinaufarbeiten.
Vom Gletscherboden aus muss man über den Col du Meitin zur Cabane de Valsorey zurück. Wichtig ist, dass man sich hier nicht durch den Col des Maisons Blanches nach rechts ableiten läßt; zum Col du Meitin geht's am Ende noch 150 m aufwärts. Vom Col du Meitin geht der Weg abwärts nicht direkt nach unten, sondern beginnt etwas in Richtung des Gd.Combin, also links. Ein Pfad durch Schutt führt bis zum Glacier du Meitin hinunter, von wo man einfach die Cabane de Valsorey erreicht.
Meine persönliche Meinung mittlerweile ist, dass unsere Route so ziemlich das Beste ist, was man sich - zumindest im Sommer/Herbst - am Grand Combin antun sollte.
Anmerkung: Direkter Abstieg vom Plateau du Couloir zur Cabane de Valsorey
Im Spätsommer ist der Abstieg über unsere Aufstiegsroute wegen des losen Gerölls und teilweise blanken Eises sehr gefährlich und daher nicht ratsam. Am Tag unserer Besteigung verunglückte ein Bergsteiger im Abstieg dort schwer, und nur einige Tage später ereignete sich in derselben Flanke beim Abstieg ein tödlicher Unfall.
Führer/Karte
Führer:
  • SAC, "Hochtouren im Wallis" (CD-ROM, 1998), Routen 221 (Aufstieg), 218 (Abstieg)
  • SAC, "Guide des Alpes Valaisannes II" (1987), Routen 280 (Plateau du Couloir), 347 (Combin de Valsorey), 351 und 345 (zum Grafeneire), 338 (Abstieg), 408 und 409 (Col du Meitin)
Landkarte:
  • 1:50000 LKS 282S "Martigny" für den Hüttenweg, 283S "Arolla" für den Berg
  • 1:25000 LKS 1346 "Chanrion" (1345 Orsières für den Hüttenweg)

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© 1999 Hartmut Bielefeldt

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Letzte Änderung am 09. August 2002 durch Hartmut Bielefeldt