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Cordillera Blanca
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Cordillera Blanca (Perú)
praktische Hinweise

1. Peru allgemein

1.1. Land, Geographie

Peru ist mit 1.2 Millionen km2 der drittgrößte Staat Südamerikas. Von den 28 Millionen Einwohnern leben etwa 8 Millionen im Großraum der Hauptstadt Lima. Geographisch gliedert sich Peru in drei unterschiedliche Klimaregionen:
  • Costa (Küstengebiet) - Küstenwüste (ähnlich wie im südlichen Nachbarn Chile); etwa 10% der Landesfläche
  • Sierra (Andenhochland) - mehrere parallel verlaufende Bergketten begrenzen das Hochland; im Süden ist die Landschaft wie im angrenzenden Bolivien eher eine Hochfläche; weiter nach Norden sind die Bergketten öfters durch tief eingeschnittene Täler unterbrochen.
  • Selva (Regenwald) - tropischer Bergwald und ein Teil des Amazonas-Flachlands.
Die von uns besuchte Cordillera Blanca ist der höchste Gebirgszug Perus, sie liegt ca. 400 km nördlich von Lima.

1.2. Wetter

In der Küstenregion ist das Wetter im Südwinter (Mai-November) neblig und kühl (Tagesmaximum ca. 20°C); die Sonne kommt erst im November wieder. In den Bergen ist dagegen der Winter die Trockenzeit, die meist gutes Wetter zum Bergsteigen bietet. Als günstigste Zeit gilt im Allgemeinen Mai bis September, wobei am Anfang in den Hochlagen noch viel Schnee liegen kann. Gegen Saisonende apern die Gletscher aus, was Schwierigkeiten beim Überqueren der sehr spaltenreichen Gletscher zur Folge hat. Kurze Schlechtwettereinbrüche dauern meist nur ein bis zwei Tage, danach wird es wieder sonnig.

1.3. Sprache

Amtssprachen sind Spanisch, Quechua und Aymará. Besonders auf dem Land werden häufig noch die alten Sprachen Quechua (im Norden) und Aymará (im Süden) gesprochen, so dass Spanisch für die dortige Bevölkerung schon die erste "Fremd-"Sprache ist. Englisch ist nicht sehr verbreitet, daher empfehlen sich Spanisch-Grundkenntnisse. Die Aussprache ist im Gegensatz zu Chile oder Argentinien relativ klar akzentuiert.

1.4. Geld

Perus Währung ist der Nuevo Sol (S/); der Umrechnungskurs war im Juni 2008 ca. 3 Soles pro US$, und 4.15 Soles pro Euro (beim Geldwechsel in bar). Der Umrechnungskurs bei Abhebung vom deutschen Girokonto lag bei ca. 4.55 S/ pro Euro. Während man die Busfahrten problemos per Internet buchen und mit Kreditkarte bezahlen kann, nehmen insbesondere kleinere Trekkingagenturen in Huaraz nur Bargeld. Die Geldautomaten in Huaraz haben mit der (Maestro) ec-Karte problemlos funktioniert; mit der Kreditkarte (Mastercard) konnten wir kein Geld am Geldautomaten beziehen Viele Dinge kann man auch direkt in US$ bezahlen, man bekommt am Geldautomaten auch wahlweise Soles oder Dollars.

1.5. Straßenverkehr

Autofahrer sind ausschließlich nach vorne orientiert. Priorität hat dabei das eigene möglichst schnelle Vorankommen unter Ausnutzung jedes möglicherweise vorhandenen Platzes. Auf Fußgänger wird keine Rücksicht genommen, abgesehen von Kollisionsvermeidung. Jeder macht durch lautes Hupen auf sich aufmerksam, so oft er das für wichtig hält. Dass Fahrspuren oder Zebrastreifen (so was gibt's tatsächlich!) höchstens als interessante Anregung verstanden werden, ergibt sich aus dieser Grundeinstellung von selbst. Der Fahrstil in Huaraz war dabei deutlich gemäßigter als in Lima, wo die Colectivos meist auf wenige Zentimeter Abstand durch den Verkehr drängeln, und das auch noch vergleichsweise schnell.
Neben der Vorsicht vor abbiegenden Autos sollte man als Fußgänger auch - wie anderswo in Südamerika - auf gelegentlich nicht abgedeckte Schächte oder Löcher auf dem Gehweg achten. Außer den Hauptverbindungsstraßen sind die wenigsten Straßen geteert, viele Bergstraßen haben abenteuerliche Schlaglöcher.

1.6. Flugverbindungen

Man kann von Europa aus entweder über die USA oder (mehr oder weniger) direkt nach Südamerika fliegen. Der Flug über die USA hat den Vorteil einer höheren Gepäckquote. Nachteil jeder Reise über die USA ist, dass US-amerikanische Flughäfen (als einzige auf der Welt!) keinen internationalen Teil haben - das heißt man muss in die USA einreisen, auch wenn man dort gar nicht hin will. Die lange Wartezeit bei der Passkontrolle und das zeitraubende Aus- und wieder Einchecken des Gepäcks einschließlich der dazugehörigen Sicherheitskontrollen können leicht dazu führen, dass man den Anschlussflug gar nicht mehr erwischt. Und falls man ihn erwischt hat, ist die Frage das Fluggepäck das auch geschafft hat.
Nach der Erfahrung unseres Ecuador-Flugs vor fünf Jahren haben wir lieber etwas mehr Geld ausgegeben und einen Direktflug von Amsterdam genommen.

2. Lima

Die Hauptstadt Lima liegt in einer Ebene am Rand der Berge, nahe der Küste. Die Ebene liegt übrigens nicht direkt am Meer, sondern hundert Meter höher. Die koloniale Altstadt liegt im Norden des Ballungsraums am Río Rimac, das touristische Zentrum um Miraflores liegt etwa 10 Kilometer südlich davon. Eine große Ausfallstraße verbindet diese Stadtteile miteinander, allerdings wird hier (wie an fast allen anderen Straßen auch) momentan gebaut, die Umleitungen sind aber ausgeschildert. Der Flughafen liegt etwa 10 km nordwestlich der Altstadt.
In puncto Kriminalität scheint Lima vergleichbar mit anderen Städten dieser Größenordnung zu sein; wir haben uns allgemein nirgends unwohl gefühlt.
Von Miraflores in die Innenstadt fahren die Colectivos NM38 "B". Von der Innenstadt nach Miraflores fährt NM38 "A" sowie SO26 (letzterer zum Larcomar). Fahrpreis S/ 1 bis 1.40.

3. Huaraz / Cordillera Blanca

3.1. Geographie

Huaraz (3100 m) ist die Hauptstadt der Region Ancash; die Stadt hat etwa 100000 Einwohner und liegt im Tal des Río Santa (Callejón de Huaylas), das parallel zur Küste ind Nord-Süd-Richtung verläuft. Das Tal teilt zwei Bergketten voneinander: Im Westen die unvergletscherte Cordillera Negra, die bis etwa 5000 m reicht, und im Osten die Cordillera Blanca, die sehr stark vergletschert ist und diverse Sechstausender bietet. Die Cordillera Blanca bildet hier auch die Wasserscheide zum Amazonas-Gebiet mit dem Quellfluss Marañon. Durch die Nähe zum feuchten Amazonas-Becken erklärt sich auch die starke Vergletscherung; im Südsommer gibt es hier eine intensive Regenzeit, die in den hohen Lagen für den Schnee sorgt. Charakteristisch für die Cordillera Blanca sind sehr tief eingeschnittene Täler (Quebradas) mit schluchtartigen Eingängen, die der Form nach wohl von eiszeitlichen Gletschern geformt sein könnten.

3.2. Busfahrt nach Huaraz

Von Lima aus kann man mit verschiedenen Busgesellschaften die ca. 470 Kilometer nach Huaraz zurücklegen. Die Fahrt dauert etwa 7-8 Stunden; die ersten 200 Kilometer legt man auf guter Straße entlang der Küste zurück, danach steigt die Strecke langsam auf bis zum Conococha-Pass (4080 m). Der obere Teil dieser Strecke hat viele Schlaglöcher. Von Conococha geht es etwa 40 km weit langsam bergab nach Huaraz, wieder auf besserer Straße.
Man kann zwischen cama (Schlafsitz), semicama (einigermaßen Platz zum Schlafen) und económico (normaler Bus) wählen, wobei die Bezeichnungen zwischen den Busgesellschaften unterschiedlich sind. Jede Busgesellschaft betreibt an ihren Destinationen jeweils eigene Busterminals, was die Sache etwas unübersichtlich macht. So fehlt in Lima oder Huaraz die Möglichkeit, an einem zentralen Busterminal vor Ort die Preise zu vergleichen, und auch die Infrastruktur eines zentralen Terminals wie in Argentinen (Gepäckaufbewahrung, Einkaufsmöglichkeiten, Restaurants, Kioske...) sind nur sehr begrenzt vorhanden.
Busse fahren abends gegen 22 Uhr (kommen dann am nächsten Morgen sehr früh in Huaraz an) oder auch morgens. Teilweise gibt es die Abfahrten morgens nur in der Hochsaison. Wir sind mit Cruz del Sur hin und mit Moviltours zurück gefahren. Mit den Reifenpannen bei der Rückfahrt haben wir möglicherweise einfach nur Pech gehabt.

3.3. Hotels, Restaurants in Huaraz

In Huaraz gibt es reichlich Unterkunftsmöglichkeiten. Wir haben uns keine besondere Mühe gemacht, etwas im Voraus zu organisieren, und sind auf den ersten Vorschlag eines Vermittlers im Busterminal eingegangen. Die Unterkunft (Albergue Ishinca) war zwar ca. 1.2 km vom Stadtzentrum entfernt, dafür aber mit S/. 30 pro Nacht fürs Doppelzimmer recht günstig und sehr sauber und ruhig. Für weitere S/ 15 gab's auch die Möglichkeit ein Frühstück zu bekommen.
Gute Restaurants gibt es hauptsächlich im Bereich um die Plaza herum, wobei man auch der Luzuriaga (Hauptstraße westlich der Plaza de Armas) entlang einiges findet. Ein ordentliches Essen kostet für 2 Personen inclusive Getränke zwischen 35 und 60 Soles. Typische Gerichte sind Lomo (Filet) oder Bistec (Beefsteak) mit Papas fritas und ensalada; Lomo saltado (klein geschnittenes Fleisch mit Zwiebeln, Tomaten und Pommes Frites); Pollo (Hühnchen); landestypischer daneben auch Cuy (Meerschweinchen), Cebiche (roher Fisch, in Stücke geschnitten, in Limettensaft mariniert, mit Zwiebeln), Caldo de Gallina (Hühnersuppe). "A lo pobre" ist übrigens nicht ärmlich, sondern mit Ei, Banane und Reis zusätzlich zu Pommes Frites und Salat.

3.4. Bus/Taxi in und um Huaraz, Anfahrt zu den Bergen

Eine Taxifahrt innerhalb von Huaraz kostet S/ 2.50 bis 3.
Den Transport zu den Bergen hatten wir jeweils über Agenturen als "transporte privado" gebucht (teilweise mit den Tragetieren zusammen), wobei als Fahrzeug ein normales Taxi genügt hatte. Außer der geteerten Hauptstraße durch den Callejón de Huaylas sind alle Straßen in mehr oder weniger schlechtem Zustand, man braucht also eine gewisse Zeit. Preise: Laguna Llaca (hinbringen und wieder abholen) US$ 140, Collon/Pashpa (hinbringen und wieder abholen) US$ 100, Cebollapampa (nur hinbringen) US$ 70.
Das Colectivo von Yungay nach Huaraz kostet pro Person S/ 3.50.

3.5. andere sportliche Betätigung (außer Bergsteigen)

Man kann in Huaraz Mountainbikes ausleihen (ca. 40 S/ pro Tag), die im Wesentlichen auch funktionsfähig sind. Mehr als zwei Tage wird man sich allerdings so kaum beschäftigen wollen, denn die Hauptstraße ist wegen des starken Verkehrs nicht schön zu fahren - als Radfahrer oder Fußgänger ist man gegenüber Autos immer im Nachteil, denn der Stärkere setzt sich grundsätzlich durch. Die (ungeteerten) Bergstraßen sind teils in abenteuerlichem Zustand; teilweise ordentlichen Belag findet man auf der Strecke von Wilkahuain (nördlich von Huaraz) zu den Quebradas Llaca, Cojup und Quilcayhuanca. Die Hunde auf dem Land sind - ähnlich wie in Ecuador - sehr lästig, denn sie versuchen gerne in Radlerbeine zu beißen.

Am Mirador de Rataquena trifft man einige Jogger an, auch wenn die 300 Höhenmeter von der Stadt bis zum Aussichtspunkt eher als Berglauf-Training taugen dürften.

Wer sich lieber im Wasser tummelt, dem kann man die Termas de Monterrey (ca. 6 km nördlich von Huaraz) empfehlen. Wirklich sportlich kommt man allerdings im 25m-Becken nicht auf seine Kosten, dafür aber hat das Wasser eine durchaus einzigartige Färbung (hellbraun). Aber angeblich hilft's gegen alle möglichen Wehwehchen.

4. Bergsteigen in der Cordillera Blanca

4.1. Nationalpark Parque Nacional Huascarán

Der Parque Nacional Huascarán umfasst die gesamte Cordillera Blanca oberhalb etwa 4000 Metern von den Nevados Milluacocha und Pilanco im Norden der Quebrada de los Cedros/Quebrada Alpamayo und Conococha im Süden. Um den Park zu betreten oder befahren, benötigt man ein Ticket, das man entweder im Büro der Hauptverwaltung in Huaraz (Nähe Plaza Belén) oder an den Kontrollstellen bekommt.
Die Nutzungsbestimmungen besagen unter anderem, dass für als gefährlich eingestufte Aktivitäten wie Bergsteigen, Klettern etc. der jeweilige Veranstalter für Schäden der Teilnehmer haftbar gemacht wird. Eigenverantwortliches Bergsteigen kommt in den geschriebenen Regeln nicht vor. Die genaue Interpretation der Regeln ist unterschiedlich, je nachdem wen man fragt. In jedem Fall bekommt man zuerst die Aussage an den Kopf geworfen, man benötige einen Führer. In 2008 konnte man diese Verpflichtung jedoch umgehen, indem man einen Ausweis eines UIAA-Alpenvereins vorlegt und sich so als qualifiziert zu selbstständigem Bergsteigen deklariert. Dann ist man "deportista" ("Sportler") und kann - entsprechend wohl auf eigene Verantwortung - im Park unternehmen was man möchte.
Das Ticket kostet 65 Soles pro Person; es ist eine 7-tägige Gültigkeit aufgedruckt. Das stimmt aber nicht, man kann das Ticket offensichtlich vier Wochen lang an den Kontrollstellen verwenden. Geht man aber mit einem mehr als 7 Tage alten Ticket zur Hauptverwaltung, stellt diese einem gerne jederzeit ein neues Ticket für erneute 65 Soles aus, ohne auf die weitere Verwendbarkeit des alten hinzuweisen.
An den Kontrollstellen muss man sich mit dem Ticket und der Reisepassnummer registrieren und seine Ziele und die voraussichtliche Aufenthaltsdauer angeben.
Zwar konnten wir letztendlich unternehmen was wir wollten; das ganze komplizierte Prozedere hinterlässt aber den Eindruck, dass wir als eigenverantwortliche Bergsteiger in der Cordillera Blanca nicht willkommen sind.

Vallunaraju (5686 m)

  • Schwierigkeit: WS
  • Ausgangspunkt: Quebrada Llaca, ca. 4400 m. Mit dem Auto 2 Stunden von Huaraz; die Straße ab der Abzweigung von der Hauptstrecke zur Quebrada Cojup ist in extrem schlechtem Zustand. Trotzdem werden 20 Soles Maut verlangt.
  • Hochlager: 4950 m, Aufstieg 500 Höhenmeter, ca. 3-4 Stunden. Eine Stelle II, evtl. Seil notwendig.
  • Gipfel: 700 Höhenmeter, Aufstieg ca. 5 Stunden.
  • Ausrüstung: normale Gletscherausrüstung
Der Vallunaraju (Wallunaraju) ist von Huaraz aus sehr gut zu sehen, sein Doppelgipfel wirkt eindrucksvoll ohne extrem schwierig auszusehen. Als erste Akklimatisationstour ist er eigentlich ein bisschen zu hoch, außer man macht ihn vielleicht als Tagestour von Laguna Llaca aus. Von dort sind es aber immerhin 1300 Höhenmeter. Der Zustieg zum Hochlager ist die ersten 200 Höhenmeter ein extrem steiler, schlammiger Bergpfad, der sich durch die Felsabbrüche mogelt. Man sollte hier nicht ausrutschen. Eine schräge Felsplatte von ca. 5 Metern Höhe ist bei Nässe problematisch. Weiter oben neigt sich das Gelände zurück; der Weg ist immer gut sichtbar und teilweise mit Steinmännern markiert. Auf 4950 m, bevor der Weg sich in den Felsen verliert, gibt es mehrere gut ausgebaute Zeltplattformen. Vom Hochlager aus geht man um die erste Ecke links herum und hält sich dann aufsteigend nach rechts durch plattiges Gelände, bis man eine Ebene auf ca. 5020 m erreicht. Dort betritt man den Gletscher. Mäßig steil erst gerade, dann etwas rechtshaltend hoch auf einen wenig ausgeprägten Grat, der auf den Vorgipfel (rechter Gipfel) zuläuft. Auf etwa 5300 m verlässt man diesen Grat nach links und geht durch das große Becken auf den Sattel zwischen den beiden Gipfeln zu. Die Spalten ließen sich im Juni problemlos umgehen, bis zum Sattel ist die Route einfaches Gehgelände ohne Absturzgefahr. Vom Sattel zwischen den beiden Gipfeln (5595 m) folgt man dem Grat zum Hauptgipfel (ca. 30 Minuten); die Schneequalität auf der Ostseite scheint nicht sehr verlässlich.

Quebrada Ishinca

Die Quebrada Ishinca liegt knapp 20 Kilometer nördlich von Huaraz. Sie ist kein sehr langes Tal und führt auch nicht bis zur Hauptwasserscheide, hat hauptsächlich bergsteigerische Bedeugung. Man fährt bis Pashpa (3500 m) oder Collon (3300 m); dort kann man Tragetiere anmieten, die bis zum Basislager gehen.
Im Talboden der Quebrada Ishinca befindet sich auf 4370 m das Basislager für mehrere häufig bestiegene Berge: Ishinca, Urus Este und Tocllaraju. Weitere Ziele sind Palcaraju (6110 m, 6274 m), Ranrapalca (6162 m), Ocshapalca (5888 m), Janyaraju (5675 m, 5630 m). Das Basislager umfasst eine flache Wiese einige Minuten nach den letzten Bäumen. An der Nordseite steht eine Hütte, das Refugio Ishinca. Es gibt zwei fest installierte Toiletten. Wasser sollte man (auch wegen der hier grasenden Kühe und Esel) weiter oben holen, am besten in Richtung des Baches, der aus dem großen Moräneneinschnitt des Lago Milluacocha kommt.
In der Führerliteratur wird teilweise bemängelt, dass die Hütte die Zahl der möglichen Zeltplätze begrenzen würde oder die Trinkwasserversorgung der Camper gefährde. Vielleicht sind wir von den Alpen her zu sehr an zivilisationsbedingte "Einschränkungen" gewöhnt, auf jeden Fall können wir nicht nachvollziehen dass es hier zu eng oder sonst irgendwie problematisch wäre. Als wir dort waren, standen ca. 15-20 verschiedene Zelte im Basislager.
Der Ausrüstungstransport mit Eseln von Pashpa zum Basislager oder zurück kostet pro Tag US$ 10 für den Arriero und US$ 5 pro Esel, wobei ein Esel 20 kg tragen kann. (Mulis sind kräftiger als Esel, kosten etwas mehr.)
Es gab 2008 - abgesehen von der Hütte, wo man sicher auch Verpflegung kaufen kann - ein paar kleine Stände, an denen Getränke (Bier, Inka Cola, Coca Cola, Mineralwasser; selten Sprite) und Kekse erhältlich waren; die Preise waren angemessen (S/5 für ein kleines Bier oder einen halben Liter Limonade).

Ishinca (5530 m)

  • Schwierigkeit: WS-
  • ca. 1150 Höhenmeter vom Basislager
  • Aufstieg 5-6 Stunden
  • Ausrüstung: normale Gletscherausrüstung

Vom Basislager Quebrada Ishinca führen zwei Routen zum Ishinca: die Nordwestflanke und der Südwestgrat. Am Südwestgrat macht eine größere Spalte angeblich öfters Schwierigkeiten, so dass die Nordwestflanke häufiger bestiegen wird. Wir haben aber diverse Seilschaften getroffen, die den Südwestgrat aufgestiegen und dann über die Nordwestflanke abgestiegen sind.

Für beide Routen hält man sich bei der Brücke am Eingang des Basislagers rechts (südlich) am Hang entlang, dort führen mehrere parallele Wege langsam aufwärts. Nach einem halben Kilometer hält man sich rechts in das aufsteigende Tal hinein und durchquert einige Talböden auf einem deutlichen Weg. Auf ca. 4900 m sieht man links einen kleinen See; hier folgt man nun für die Nordwestflanke nicht dem Hauptweg (der führt zur Laguna Ishinca aufwärts und weiter zum Südwestgrat), sondern hält sich im Talboden, umgeht einen zweiten kleinen See rechts und gewinnt dann nach links über Schutt langsam an Höhe auf den Gletscher zu. Bei knapp 5000 m betritt man den Gletscher, steigt erst kurz etwas steil auf und steigt dann rechtshaltend auf einen Sattel zu. Oberhalb des Sattels wird eine kurze Seraczone problemlos passiert, dann geht man direkt auf den Gipfel zu. Die letzten 40 Meter auf der rechten Seite des Hangs, in vernünftigem Abstand zur Wächte rechts, sind steiler (knapp 45°), nicht wirklich exponiert, daher gut zu gehen.

Urus Este (5420 m)

  • Schwierigkeit: L
  • ca. 1050 Höhenmeter vom Basislager
  • Aufstieg 4-5 Stunden
  • Ausrüstung: Steigeisen, Skistöcke. Bei guten Verhältnissen sind Seil und Eispickel nicht nötig.

Links vor dem Refugio Ishinca führt ein Weg hoch auf die breite Rinne zu. Er verläuft dann am rechten Rand dieser Rinne ziemlich gerade nach oben, bis das Gelände sich etwas zurückneigt. Dem Moränenkamm nach rechts folgend geht es ein Stückchen eben, dann eine Stufe etwas nach links hoch. Nach dem nächsten Becken arbeitet man sich durch unübersichtliches Gletschervorfeld mit plattigen Felsen etwas rechtshaltend nach oben am Südostgrat rechts vorbei. Nun sieht man den Gletscherhang, der vom Gipfel herunterzieht (er war vorher vom Südwestgrat verdeckt). Einfach zum Gipfel, der Hang scheint keine größeren Spalten zu haben.

Tocllaraju (6032 m)

  • Schwierigkeit wahrscheinlich ZS oder ZS+ (nicht bis zum Gipfel bestiegen)
  • Basislager: 4370 m
  • Hochlager: 5160 m, ca. 5 Stunden vom Basislager (L)
  • Gipfel: 900 Höhenmeter, vermutlich ca. 7 Stunden.
  • Ausrüstung: normale Gletscherausrüstung, zusätzlich ein zweites 50m-Seil zum Abseilen am Gipfelhang.

Der Weg zum Hochlager geht am Refugio nach rechts weg durch den Talboden und steigt dann das Tal links des großen Moräneneinschnitts hoch. Bei etwa 4600 m geht es steil aus dem Tal nach links hoch; nur bei 4880 m findet sich eine flachere Gegend, in der man Gepäck deponieren kann (z.B. Materialtransport am Vortag). 60 Meter höher sieht man viele Steinmänner; hier nach rechts durch eine Mulde queren und die Schneehänge nach weiter rechts aufsteigend queren. Nachdem man um den ersten Felsklotz herum ist, sieht man eine festungsartige Felsinsel; links hinter dieser liegt der Lagerplatz.

Vom Lager steigt man direkt auf den Nordwestgrat zu. Ab 5400 m wird das Gelände steiler, man holt in einer Rechtskurve aus, um die höhergelegenen Terrassen zu erreichen. Ein Steilstück von 55° ist zu überwinden, danach ein steile Passage an einer Spalte (links haltend direkt am Rand hochgehen). Danach wird es flacher, und man erreicht den Grat. Weiter folgt man der Flanke links des Grates. Direkt vor dem Gipfel muss man zwei Bergschründe überwinden und links den Gipfelhang erklettern. (Dort waren wir nicht, daher kann ich diesen Teil nicht beschreiben.)

Llanganuco

Die Quebrada Llanganuco ist eines der wichtigsten Täler der Cordillera Blanca. Eine Straße (allerdings in etwas abenteuerlichem Zustand) führt von Yungay (2500 m) über den 4767 m hohen Portachuelo Llanganuco nach Yamama, San Luis, Piscobamba und Pomabamba. Der Eingang des Tals ist von riesigen plattigen Wänden eingerahmt. Das wäre das peruanische Yosemite, wenn sich nicht überall an den abenteuerlichsten Stellen irgendwelche Gewächse halten würden. Hinter diesem spektakulären Eingang liegen zwei schöne Seen, der Lago Chinancocha und Lago Orgoncocha, die beide zusammen auch Lagunas Llanganuco genannt werden. Von der ersten Kehre auf ca. 3970 m sind es nur ein paar Minuten zu Fuß zum Lagerplatz Cebollapampa, der als Ausgangspunkt für den Pisco dient. Für den Chopicalqui muss man vier Kilometer weiter fahren.

Chopicalqui (6354 m)

  • nicht bis zum Gipfel bestiegen, Schwierigkeit wahrscheinlich WS-ZS oder ZS.
  • Ausgangspunkt: südlichste Kehre der Straße zum Portachuelo Llanganuco, 4200 m.
  • Basislager: eine Stunde oberhalb auf 4400 m.
  • Moränenlager: auf 5000 m am Ende der Seitenmoräne des östlichen Glaciar Kinzl (B)
  • Gletscherlager: auf ca. 5500 m im letzten Plateau des Glaciar Kinzl (L)
  • Gipfel: vermutlich ca. 7 Stunden vom Gletscherlager

Von der Kehre bei 4200 m gelangt man auf einem guten Weg im Tal links der Moräne in einer Stunde zum Basislager, das am Rand einer morastigen Wiese liegt.

Der Weg führt vom Basislager aus direkt die Moräne hoch und folgt dann dem Moränenrücken taleinwärts, bis die beiden Äste des Gletschers sich teilen. Dort quert er mit einer üppigen Gegensteigung den östlichen Ast des Glaciar Kinzl (oder was davon übrig ist) und steigt auf der rechten Seite (i.S.d.Aufstiegs) die Moräne hoch. Am hintersten Ende dieser westlichen Seitenmoräne finden sich diverse Zeltplätze auf einer Höhe von 5000 m. Das ist das Moränenlager, das im Buch von Johnson fälschlicherweise auf 4800 m angesetzt war. Wasser findet man an einigen Stellen über die Felsen herunterlaufend, in Richtung der rechten Zeltplätze.

Vom Moränenlager arbeitet man sich durch grobes Blockwerk nach links, bis man ohne Schwierigkeiten gerade nach oben steigen kann. Auf der rechten Seite (i.S.d.Aufstiegs) bis 5100 m, dann nach links unterhalb der Felsstufen den Gletscher entlang - so nah wie möglich an den Felsen aber wegen Steinschlag mit etwas Abstand. Die Route folgt dem Gletscher in einem langen Linksbogen, immer wieder mit kleinen Umwegen der Spalten wegen. Auf 5500 m befindet sich ein großes Gletscherbecken mit guten Lagerplätzen. Zwar plätschert es an den Felsen südlich, aber Felsen und Eis bröckeln auch - der Zugang zu fließendem Wasser erschien mir dort zu gefährlich, Schnee schmelzen ist sicherer. Weiter oben gibt es keine komfortablen Zeltplätze mehr. Entweder waren die Zeiten von Brad Johnson besser, oder aber sein "col camp" ist um hundert Meter zu hoch angegeben.

Vom Gletscherlager geht es bald sehr steil in Richtung Grat aufwärts (50-55°). Die Route folgt danach mehr oder weniger dem Grat selbst, wir sind aber nur bis 5800 m gekommen.

Pisco Oeste (5750 m)

  • Schwierigkeit WS.
  • Ausgangspunkt: Cebollapampa, 3900 m
  • Hütte: Refugio Perú (4680 m), ca. 4 Stunden Aufstieg
  • Gipfel: ca. 7 Stunden vom Refugio.

Der Zeltplatz Cebollapampa (3900 m) liegt wenige Minuten unterhalb der ersten Straßenkehre nach den Llanganuco-Seen. Am Zeltplatz kann man übrigens auch Getränke kaufen; leider liegt er morgens und abends lange im Schatten. Sonst aber sehr zu empfehlen.

Der Weg führt vom Zeltplatz an den Toiletten vorbei in ein Hochtal und über eine Stufe zum Basislager bzw. zum Refugio Perú (4680 m). Das Basislager liegt in einer kleinen Ebene, das Refugio auf dem Hügel rechts davon. Die Übernachtung kostet US$12 (US$16 wenn man keinen Schlafsack hat), Getränke und Essen sind erhältlich. Wenn auch die Effizienz der Küche nicht ganz die einer SAC-Hütte erreicht, kann man Getränke und warme Mahlzeiten zu einigermaßen vernünftigen Preisen bekommen.

Vom Refugio zum Gipfel geht man zuerst den großen Moränenhang aufwärts. Nach einer halben Stunde ist man oben, hält sich etwas links zu einer Markierung. Bei Aufbruch zwischen 4 und 5 Uhr ist es hier noch stockdunkel. Ein Abstieg durch feinen Sand führt zum ehemaligen Gletscher hinunter, ca. 80 Höhenmeter. Nun ist etwas Spürsinn angesagt, aber mit etwas Erfahrung ist der Weg (mit Steinmännern markiert) gut zu finden. Auf der anderen Seite geht es zu einem See hinauf, den man aber rechts liegenlässt und den Moränenrücken links aufsteigt. Weiter links in der Mulde liegt das Hochlager auf ca. 4900 m, man kann aber auch direkt zum Gletscher weiter auf dem Rücken aufsteigen. Vom Gletscherrand (5100 m) steigt man nach rechts hoch in den Pass zwischen Huandoy und Pisco (5320 m, Vorsicht mindestens eine Spalte). Von hier sieht man den Rest des Weges sehr gut, man folgt immer den Hängen links des Grates zum Gipfel. Mehrere tiefe Spalten durchziehen den Hang, und wundersamerweise sind diese Spalten jeweils an genau einer Stelle passierbar. Die allerletzten 20 Meter zum Gipfel (links) sind steiler (50°), aber mit guten Tritten auch mit einem Eisgerät gut zu machen.

Huandoy

  • Schwierigkeit (gemäß Johnson): ZS-
  • Zugang vom Refugio Perú (4680 m) aus
  • Lager unterhalb des Eisbruchs auf ca. 5500 m
  • Hochlager auf 5800 m

Nicht selbst bestiegen, keine verlässliche Angabe über Schwierigkeit oder Routenführung möglich.
In der casa de guías in Huaraz hat man uns vom Huandoy abgeraten, der Berg würde wegen des gefährlichen Zustiegs nur sehr selten bestiegen. Er wird auch nicht als geführte Tour angeboten. Tatsächlich ist der Zugang vom Refugio Perú bis zum Hochlager am Sattel zwischen den Gipfeln stark lawinengefährdet; man muss zuerst lange unter den Hängen des Huandoy Este und Norte queren und dann ein etwa 200 m hohes Couloir aufsteigen, das man dann nach links zum Sattel verlässt. Ab dem Sattel (Hochlager) ist das Gelände weniger gefährlich.
Vom Anstieg zum Pisco aus sieht man die Route recht gut. Im ersten Eindruck sah das Ganze ziemlich abschreckend aus. Bei genauerer Betrachtung waren im ganzen Zustiegsbereich keine frischen Lawinenspuren zu sehen, allerdings auch keine Bergsteigerspuren. Die Querung aus dem Couloir könnte relativ problemlos gehen. Wenn man nicht gerade mittags/machmittags unterwegs ist, würde ich die Route als vernünftig machbar bewerten.

Literatur (bergsteigerisch)

  • Ekkehard Radehose: "Traumberge Amerikas", Rother Verlag 1996. Beschrieben sind hier in der Cordillera Blanca Alpamayo, Huandoy, Huascarán, Tocllaraju; dazu kommen als weitere andere peruanische Berge Salcantay, Coropuna und Ampato.
  • Hermann Kiendler: "Die Anden - Vom Chimborazo zum Marmolejo alle 6000er auf einen Blick", Panico Alpinverlag 2007. Neben allen 6000ern Perus sind hier Alpamayo, Pisco und Ishinca beschrieben. Das Buch ist für Gipfelsammler in den Anden allgemein sicherlich eine interessante Grundlage.
  • Brad Johnson: "Classic Climbs of the Cordillera Blanca", peaksandplaces.com, 2003. Ausführlicher Auswahlführer über diverse Berge; außer der Normalroute auf den Vallunaraju sind alle von uns besuchten Berge detailliert beschrieben.
  • Alpenvereinskarte 03/a "Cordillera Blanca Nord" 1:100 000 (2006)
    deckt das Gebiet von der Quebrada Honda nach Norden hin ab, insbesondere mit Copa, Hualcán, Huascarán, Chopicalqui, Huandoy und Santa Cruz/Quitaraju/Alpamayo. Während die alte Ausgabe (auf Grundlage der Vermessungen der Expedition 1939) bestenfalls eine grobe Orientierung ermöglicht hatte, sind die neuen Ausgaben ziemlich brauchbare Landkarten.
  • Alpenvereinskarte 03/b "Cordillera Blanca Süd" 1:100 000 (2005)
    für Quebrada Akilpo und Ishinca und alles südlich davon, einschließlich der Umgebung von Huaraz.


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Hartmut Bielefeldt
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Letzte Änderung am 21. August 2008 durch Hartmut Bielefeldt