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Bericht Tien Shan 1998
Bericht
Tien Shan 98
Kartenskizze Tien Shan
Karten-
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Höhendiagramm Tien Shan 1998
Höhen-
diagramm
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Zusätzliche Informationen zu unserer Tien Shan Expedition 1998
Khan Tengri (7010 m)

Einige praktische Hinweise

Der Khan Tengri war bis jetzt der schwierigste Siebentausender, den wir bestiegen haben. Zusammen mit dem schlechten Wetter in dieser Gegend dürfte er speziell Expeditionsneulingen ein hohes Frustpotential bieten. Wer auf einen hohen Berg steigen möchte und dabei vielleicht noch sowas wie Aussicht haben will, sollte tunlichst woanders hin fahren, auch wenn die Bergnamen hier so schön klingen.
Tien Shan stammt aus dem Chinesischen und heißt Himmelsgebirge; Khan Tengri bedeutet Herrscher des Himmels. Der Großteil des zentralen Tien Shan liegt in Kirgisien; die Ecke nordöstlich des Khan Tengri ist kasachisch.
Ausrüstungs-Besonderheiten:
Steigklemme (mit Schlauchband), drei Schraub- und ein normaler Karabiner, Schlinge für Selbstsicherung

Kasachstan

Kasachstan ist mit 2.7 Millionen km2 der zweitgrößte Staat der GUS und der neuntgrößte der Welt. Das Land ist allgemein relativ dünn besiedelt (17 Millionen Einwohner). Offizielle Hauptstadt ist das im Mai 1998 umbenannte Astana (das heißt "Hauptstadt"), das frühere Akmola oder Celinograd. Faktisch ist Almaty die Metropole des Landes. Almaty liegt am Südostrand der großen Ebene von Balchasch- und Aralsee. Das Gebirge südlich der Stadt stellt Wasser für die Bewässerung zur Verfügung. Am eigentlichen Tien Shan-Gebirge hat Kasachstan nur einen kleinen Anteil, ca. 200 km östlich von Almaty.
Die Bevölkerung besteht zu 45 % aus Kasachen und zu 35 % aus Russen. Landessprache ist Kasachisch, eine dem Türkischen verwandte Sprache, die aber in kyrillischer Schrift geschrieben wird. Da die meisten Kasachen auch Russisch sprechen, aber die wenigsten der Russen Kasachisch beherrschen, bleibt das Russische als Verkehrssprache wichtig.
Währung ist der Tenge; 45 Tenge entsprechen einer DM, 75-77 Tenge einem US$. Der Kurs zur DM hat sich von 1995 bis 1998 kaum geändert. Ein typisches Monatseinkommen eines Universitätsangestellen beträgt 80-100 US$. Entsprechend sind die Preise für Grundnahrungsmittel natürlich niedriger als bei uns; für Luxusartikel sind die Preise aber ähnlich: Ein Liter Cola kostet 60-80 Tenge, ein Mittagessen im Restaurant 250 Tenge.

Der Veranstalter und sein Konzept

Diese Reise haben wir beim DAV Summit Club gebucht. Sie ist eine der "Expeditionsreisen im neuen Organisationsstil", die 1998 erstmals in dieser Form durchgeführt wurden. Die Idee dabei ist, eingespielten Teams die Logistik anzubieten, ohne daß ein deutscher Bergführer mit dabei ist. Eigentlich hatten wir vor, Khan Tengri und Pik Pobeda zu besteigen, wofür wir insgesamt 42 Tage Zeit gehabt hätten.

Die Adresse der örtlichen Organisation ist
Kan Tengri Mountain Service
Mr. Kazbek Valiev
48, Abai Avenue
480072 Almaty, Kazakhstan
Tel. +7 3272 677866, 677024
Fax +7 3272 509323, 631207

Eine Reise so, wie sie im Summit Club-Katalog ausgeschrieben ist, direkt dort zu buchen, lohnt sich finanziell nicht. Das macht höchstens Sinn, wenn man ein individuelleres Programm haben möchte.

Zu den gemessenen Höhen am Khan Tengri

Die verfügbaren Landkarten sind relativ ungenau, und die (z.B. im Summit Club-Katalog angegebenen) Höhen der Hochlager sind überhaupt falsch. Das Basislager Inylchek Nord kann nicht auf 4000 Meter liegen, weil dann alle Berge um 200 zu klein werden. Rechnet man vom Gipfel (7010 m) aus zurück, so erhält man ein konsistenteres Bild mit Lager 4 (6400 m), Lager 3 / Schneehöhlen (5800 m), Pik Tschapajev (6100 m), Lager 2 (5500 m), Lager 1 (4750 m), unteres Lager 1 (4660 m) und Basislager (4200 m). Ein Fehler von bis zu 100 Metern ist dabei allerdings auch nicht auszuschließen. Der Khan Tengri ist manchmal mit 6995 m, manchmal mit 7010 m angegeben. Nach persönlichem Augenschein kann ich die folgende Erklärungsversion bestätigen: Sozusagen "Vermessungsbrauch" in der UdSSR war es, den höchsten festen Punkt des Berges als Höhe anzugeben, d.h. der letzte Fels, auf dem man auch das Vermessungssignal permanent befestigen konnte. Dieses Vermessungssignal liegt am Khan Tengri auf 6995 m. Dahinter erhebt sich eine Schneewächte je nach Jahreszeit um etliche, sicherlich 15 Meter höher. Die daraus resultierenden 7010 m sind dann die tatsächliche Berghöhe, werden aber von den Geographen in der alten Doktrin nicht anerkannt.

Routenbeschreibung: Khan Tengri vom Basislager Inylchek Nord

Die Route führt über den Grat rechts des großen Tals, das zum Westsattel führt, zum Pik Tschapajev-Nordgipfel, und von dort über den Westsattel und den Westgrat des Khan Tengri zum Gipfel.
Zustieg zu Lager 1
Vom Basislager Inylchek Nord überquert man den Gletscher in südsüdwestlicher Richtung und steigt in die Hänge rechts des Grates auf, wobei der Durchgang durch eine Spaltenzone relativ weit rechts liegt. Gleich nach dieser ersten Spaltenzone geht es schräg nach links hoch (oft Steigeisen ratsam wegen Blankeis oder nur schwacher Schneeauflage). Mehrere Spalten, einfach zu überqueren; nun eher in der Falllinie hoch, bis man nach links auf eine ausgeprägte Spaltenlippe hinausquert und am ersten Fixseil steht. Dieses führt gerade am Grat hoch; wo sich dieser zurücklegt, befindet sich das "untere" Lager 1 auf 4660 m. Im Aufstieg ca. 3 Stunden; Abstieg 1 1/2 Stunden.
Das "obere" Lager 1 ist von dort am Grat in einer Viertel- bis halben Stunde zu erreichen; meist sind an der ersten Steilstufe die Steigeisen nötig.
Lager 1 - Lager 2
Ab hier folgt man den Fixseilen, die durchgängig am Grat entlang zu Lager 2 führen. Lager 2 liegt in einer Mulde hinter dem großen Felskopf, an dem der Grat sich nach rechts wendet, auf 5500 m. Am Grat gibt es zwei etwas anspruchsvollere Stellen, die durch die Fixseile aber entsprechend entschärft sind und höchstens einen größeren Kraftaufwand erfordern. Aufstieg 4-6 Stunden, Abstieg 1 1/2 - 2 Stunden.
Lager 2 - Lager 3
Von Lager 2 über den Schneegrat auf die erste Felsstufe zu. Ab hier wieder an Fixseilen über diese (recht schwierige) Stufe, über Schnee-/Geröllhänge (Steinschlag entlang der ganzen Strecke!) zur zweiten schwierigen Stelle und danach die steilen Schneehänge zum Nordgipfel des Pik Tschapajev. Ab hier entlang des Grates zum Westsattel hin absteigen; dabei gehörigen Abstand zu den Wächten der Nordseite halten. An einer Spalte im oberen Bereich befindet sich ein Fixseil; sonst gibt es kaum Spalten. Der Platz für Lager 3 befindet sich im ersten flachen Bereich des Westsattels, und die Schneehöhle liegt genau südlich ca. 20 Höhenmeter darunter. Kurz vor Lager 3 trifft man auf die von der Südseite kommende Route; die kirgisischen Schneehöhlen liegen rechts unten.
Lager 3 - Gipfel
Zuerst über den breiten Rücken, meist einer Spur folgend, bis dieser sich mehr und mehr aufsteilt. Der Rückweg ist besonders bei Dunkelheit und/oder Schneetreiben nicht einfach zu finden; am besten gut markieren. Die erste Steilstufe ist mit einem Fixseil versichert, und dann geht es ohne Seil wieder ein Stück flacher weiter (möglicher Zeltplatz). Bald beginnen die ununterbrochenen Fixseile; auf 6200 m noch eine sehr kleine Möglichkeit zum Zelten. Die Route führt etwas rechts des Grates durch gestuftes Gelände, mit einzelnen Stellen II, manchmal schwieriger. Auf 6400 m befindet sich der Platz für Lager 4, wo man recht gut ein Zelt aufstellen kann. Der Platz ist aber sehr exponiert (Wind!) und bis elf Uhr im Schatten gelegen. Der Weg folgt noch 150 Höhenmeter dem Grat, bis er unter den großen steilen Aufschwüngen nach rechts wegquert und durch eine kleine Steilrinne (II, steil, relativ fester Fels) ein trichterförmiges Couloir erreicht. Dieses zieht sich nach rechts hinauf (ziemlich steil und wegen der großen Höhe mühsam), wo man den WSW-Grat betritt. Noch eine Steilstufe ist mit Fixseilen gesichert, dann befindet man sich auf felsdurchsetzten Schneehängen, die sich langsam zurückneigen. Ende der Fixseile; für den Rückweg gut merken, wo das Seil beginnt. Dem Rücken folgend aufsteigen (Eispickel/Skistöcke praktisch, besonders für den Rückweg), bis es nicht mehr höher geht; rechts steht dort das Vermessungszeichen 6995 m.
Abstieg / Zustand der Fixseile
Der Abstieg dauert lange und kostet viel Konzentration. An einigen Stellen empfiehlt sich Abklettern (besonders wo die Seile stark beschädigt sind), meistens fährt man aber mit Abseilen besser. Das Fixseil an der letzten Steilstufe ist sehr schlecht; in der Querung unterm Couloir gibt es viele Knoten. Der obere Teil des Grates ist gut zum Abseilen geeignet, aber um Lager 4 herum sind die Seile schlecht (Mantel abgescheuert, fehlende Litzen). Weiter unten sind öfters Knoten in den Seilen.
Abseilen kann man mit dem Abseilachter oder mit der Karabinerbremse. Der Achter macht öfters Probleme bei den durchgescheuerten Partien der Seile. Die Karabinerbremse bekommt man besser über diese Strecken hinweg, und auch kleinere Knoten kann man hindurchschleusen. Das Gelände ist nie so steil, daß man beim Abseilen frei hängen würde (dann wäre die Karabinerbremse wegen der geringeren Bremswirkung nämlich verboten).
Zwischen Pik Tschapajev und Lager 2 sind die Seile relativ gut, nur wenige störende Knoten. Etwas Achtung auf Steinschlag ist geboten, wenn viele Leute gleichzeitig absteigen.
Zwischen Lager 2 und Lager 1 sind die Seile - besonders im unteren Bereich - oft so stark gespannt, daß man gar keinen Achter einhängen kann. Entweder geht man vorsichtig hinunter (in den flacheren Stücken), oder benutzt die Karabinerbremse (steilere Stücke).
Zeiten für Auf-und Abstieg, in Stunden


Basislager (4200 m)

(oberes) Lager 1 (4750 m)

Lager 2 (5500 m)

P.Tschapajev N (6095 m)

Lager 3 (5800 m)

Khan Tengri (7010 m)


Aufstieg

3

4-6

3-4

1

10



Abstieg

1 1/2

2

1 1/2

1-3

5


Routenskizze
Routenskizze - anklicken fuer grosses Bild
Route vom Basislager zum Khan Tengri; der Gipfel rechts ist der Pik Tschapajev. Von dort bis zum Gipfel verläuft die Route auf der nicht sichtbaren Seite des Grates.
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Hartmut Bielefeldt
Sonnhalde 8
D-88699 Frickingen
© 1998 Hartmut Bielefeldt

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Letzte Änderung am 01. Januar 1999 durch Hartmut Bielefeldt
Die Informationen auf dieser Seite sind aktuell für August 1998.