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Dieses Dokument im Internet: www.bielefeldt.de/denalihd.htm
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Teil 2
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Unser Alaska-Reisebericht 2000 ist in zwei Teile aufgeteilt. Teil 1 enthält die eigentliche Berg-Expedition, und Teil 2 enthält unsere darauffolgende Reise durch Alaska. Dasselbe gilt für die dazugehörigen praktischen Hinweise.

Praktische Hinweise für die selbstorganisierte Reise

Teil 1: Besteigung des Denali (Mount Mc.Kinley), Alaska


Der Berg und die Alaska Range

Der Denali (indianisch: "Der Große"), früher Mount McKinley genannt, ist mit 6193 m der höchste Berg der USA und Nordamerikas. Er ist der höchste Punkt der Alaska Range, die praktisch die bogenförmige Verlängerung der Rocky Mountains durch Südalaska hin zur Aleutian Range bildet, an deren Ende wiederum die Inselkette der Aleuten anschließt. Die Alaska Range ist eine wichtige Wetterscheide in Alaska und trennt das eher trockenere Innere vom feuchteren Süden ab.
Alle Fünf- und Sechtausender Nordamerikas liegen in der Alaska Range oder den südöstlich anschließenden Wrangell-St.Elias-Mountains, die teilweise zu Kanada gehören.
Obwohl sie auf dem "Feuergürtel" um den Pazifik liegt, gibt und gab es in der Alaska Range - im Gegensatz zur niedrigeren Aleutian Range - keinen Vulkanismus. Die Bergkette wurde bereits aufgefaltet, bevor der Vulkanismus sich in diesem Gebiet entwickelt hat. Das Magma, das später nach oben vorgestoßen ist, konnte unter der dicken Kruste des bereits vorhandenen Gebirges nicht an die Oberfläche gelangen und ist in den Schloten erkaltet und hat sich teilweise mit dem Sedimentgestein vermischt. Spätere Erosion hat diese einzelnen Schlote freigelegt; daher sieht man in der Alaska Range nur wenige, sehr hohe Berge, die durchwegs aus teilweise sehr solidem Granit bestehen. Das weichere Sedimentgestein um diese Berge herum ist stärker erodiert und bildet niedrigere, weichere Bergformen. Die höchsten Erhebungen (Denali mit 6193 m und Mount Foraker mit 5300 m) stehen als isolierte Einzelberge im Zentrum, daneben wenige 4000er (z.B. Mount Hunter, der auch ein sehr schroffer Granitberg ist). Alle anderen Berge drumherum erreichen nur die 3000 m-Marke. Die beiden hohen Berge werden dadurch praktisch nicht vor Stürmen geschützt; Schlechtwetter kann schnell und sehr intensiv einfallen.

Permit-Vorschriften

Denali und Foraker liegen in der Kernzone des Nationalparks. Für diese beiden Berge ist ein Permit notwendig, das 60 Tage vor dem Beginn der Expedition bei der Ranger-Station in Talkeetna beantragt sein muss. Das Formular gibt's online zum Ausdrucken. Die Gebühr beträgt 150 US$, die für die Ranger Station verwendet werden. (Es sind ja auch Ranger im Medical Camp, die dort nur für die Bergsteier ihren Dienst schieben und von irgendwas bezahlt werden müssen.)

Anreise nach Talkeetna

Allgemeines über die Anreise nach Alaska findet man auf der separaten Info-Seite zu Alaska.
Da Talkeetna nicht direkt am Parks Highway liegt, gibt es nur zwei vernünftige Methoden, dorthin zu kommen:
a) die Bahn, denn die führt durch Talkeetna. Dagegen spricht das ziemlich strenge Gepäcklimit der Bahn und die relativ hohen Preise.
b) ein Shuttle-Service, der einen dorthin fährt. Davon gibt es mehrere; WWW-Links siehe unten. Der Preis von US$ 80 pro Person hin und zurück gilt als recht güstig. Linienbusse gibt es, soweit wir das erfahren konnten, nicht.

Registrierung in der Ranger-Station Talkeetna

Die Ranger-Station liegt am Ende des Ortes. Wer zu Fuß hingeht: Ortseinwärts, am berühmten "Welcome to downtown Talkeetna"-Schild nach links die Haupstraße entlang und da, wo nix mehr Interessantes kommt, nach links. Zuerst wird die Registrierung und Bezahlung abgewickelt (US$ 125 pro Nase, da $25 schon mit der Anmeldung fällig waren; bar oder per Kreditkarte), dann gibt es noch eine Einführung in die Route und die Regeln am Berg. Mittlerweile ist das als Powerpoint-Präsentation auf dem PC implementiert; ein Ranger führt das Ganze vor und gibt - je nach alpiner Erfahrung seiner Kunden - mehr oder weniger eindringliche Ratschläge. Keine Horror-Show mehr, wie früher manchmal berichtet, und eine recht differenzierte Abfertigung der einzelnen Gruppen.

Flug ins Basislager

Das Basislager ist zu Fuß nicht erreichbar. Im Mai könnte man es in ein bis zwei Wochen Fußmarsch zwar erreichen, der Rückweg nach der Schneeschmelze wäre aber extrem aufwendig. Daher fliegt man von Talkeetna aus. Dort gibt es diverse Fluggesellschaften, die Preise variieren aber kaum.
Wir hatten $275 pro Person für Hin- und Rückflug gezahlt, dazu kamen noch Benzin für den Kocher und die Markierungsstangen. Da wir vorher reserviert hatten, konnten wir gleich nach der Registrierung losfliegen. Bei schlechtem Wetter kann es aber auch einige Tage dauern, weil die Bergkette im Sichtflug überquert werden muss. Dann kann sich natürlich eine entsprechende Warteschlange bilden.
Im Basislager muss man der Chefin das Permit (von den Rangern ausgestellt) und die Basislager-Karte (vom Flugunternehmen ausgestellt, mit Eintrag der bezahlten Mengen an Benzin, Markierungsstäben und Schlitten) vorweisen. Daraufhin bekommt man eben dieses.

Benehmen am Berg

Da der Denali jährlich von 1200 Leuten belagert wird, die allermeisten auf der West-Buttress-Route, ist es verständlich, dass die Ranger gewisse Spielregeln aufgestellt haben, nach denen sich im Interesse der Sauberkeit am Berg jeder zu richten hat.
Die wichtigsten führe ich hier kurz auf:
  • Jeder Müll muss wieder mit heruntergebracht und ausgeflogen werden.
  • Wer ein Depot einrichtet (das ist besonders unten nötig, weil man das ganze Zeugs nicht mit einem Mal bis ins nächste Lager bringt), vergräbt es mindestens einen Meter unter Schnee. Sonst kommen die Raben ran, und die ganze Umgebung sieht saumäßig aus. Markiert wird das Depot mit langen Bambusstangen (die bekommt man von seiner Fluggesellschaft), an die man ein Fähnchen hängt mit dem Namen seiner Expedition und dem voraussichtlichen Abholdatum des Depots. Alle Sachen, die man irgendwo deponiert, hat man auch wieder abzuholen. Wer ohne nachweisbare Not Sachen am Berg liegenlässt und diese Dinge - z.B. durch die anderen Bergsteiger am Berg - seiner Gruppe zugeordnet werden können, darf eine nicht unerhebliche Strafe löhnen. Zu Recht.
  • Lagerplätze schützt man durch Schneemauern vor eventuellen Stürmen. Sie sollten etwa so hoch sein wie das Zelt. Für das Hochlager empfiehlt man eine mindestens 1/2 Meter breite (!) Schneemauer, aber zum Glück findet man da schon häufig was vor.
  • "Kleine Geschäfte" macht jede Gruppe an einem durch Bambusstecken gekennzeichneten Ort. Für große Geschäfte steht im Basislager, im Medical Camp und im Hochlager ein Örtchen zur Verfügung. An den anderen Lagerplätzen kommt das große Geschäft in eine Plastiktüte und wird nach Verlassen des Lagers in der nächstbesten tiefen Gletscherspalte versenkt. Keine Angst, es stinkt nicht - dafür ist es zu kalt.

Route und voraussichtlicher Zeitaufwand

Etwa 3/4 der Bergsteiger besteigen den Denali über den technisch einfachsten Weg, die West Buttress (Westpfeiler). Wie lange man auf dem Normalweg unterwegs ist, wird natürlich hauptsächlich durch das Wetter bestimmt. Die Durchschnittszeit einer erfolgreichen Expedition am Denali beträgt nach der Statistik der Ranger-Station Talkeetna 21 Tage, die einer erfolglosen Expedition 17 Tage. Für die West Buttress rechnet man mit 10 bis 24 Tagen; das Hauptproblem am Berg ist das sich schnell ändernde Wetter, das sehr plötzlich große Kälte zusammen mit starken Stürmen bringen kann.
Die einzelnen Etappen:
Um mit der Landkarte kompatibel zu sein, sind die Höhen hier in Fuß (') angegeben.
  • Vom Basislager auf dem SE Fork Kahiltna Glacier auf 2200 m (7200') geht es abwärts zum Hauptstrom des Kahiltna-Gletschers. Auf diesem geht es nordwärts recht flach auf den Berg zu; die erste Spaltenzone wird links umgangen, die zweite (bei ca. 8000') rechts über einen etwas steileren Hang ("Ski Hill"). Wieder sehr flach auf den Kahiltna Pass zu und kurz vorm Pass nach rechts in ein Seitental, erst so steil wie am Ski Hill (das ist der "Motorcycle Hill"), dann flacher. Das Lager 11000' liegt in der letzten Ebene links, bevor es richtig steil wird.
    Zwischen Basislager und Lager 11000' kann man an fast beliebiger Stelle zelten, sofern man den Ort entsprechend auf Spalten untersucht hat.
    Der Weg bis zum Lager 11000' ist 19 km lang und dauert im Allgemeinen zwei bis drei Tage. Ab hier geht man meist ohne Ski weiter.
  • Ein steiler Hang (ca. 30°) führt auf die Wasserscheide (nördlich geht es zum Peters Gletscher runter); die nachfolgende aufsteigende Querung verläuft auf der Nordseite um einen Felskopf herum und gewinnt den Grat wieder auf 12200'. Rechts liegt eine flache Gletschermulde, die oben von den Felsen der West Buttress begrenzt wird. Den flachen Gratrücken auf die West Buttress zu und unter den Felsen nach rechts zu einer Art Paß zwischen West Buttress und dem linken von zwei vorgelagerten Gletscherbuckeln. Das ist das "Windy Corner" (13200'). Nun quert die Spur aufsteigend unterhalb der Felsen herum auf einem kleinen Gletscherband, das den Durchgang zwischen Felsen und dem Spaltengewirr rechts unten vermittelt. Kurz nach diesem Durchgang gibt es eine größere Mulde, in der man lagern oder ein Depot errichten kann (13500'). Um das große Gletscherplateau zu erreichen, muss man noch bis 14000' aufsteigen und kann dann etwas nach rechts hinten gehen, wo das Medical Camp (14300') steht.
    Die drei Teile dieser Etappe (11000'-12200', 12200'-13200', 13200'-14300') sind jeweils etwa 2 Stunden lang.
  • Vom Medical Camp führt die Route auf einen Gletscherbuckel im Norden mit einer Steilheit von 30°, später steilt es sich auf 45° auf. Dort sind Fixseile angebracht, eines für den Auf- und eines für den Abstieg. Das rechte Seil benutzen. Die Seile sind ca. 200 m lang; einige Sektionen sind evtl. zu dick für die Steigklemme (dort also prusiken). Auf 16200' erreicht man in einem kleinen Pass den Grat der eigentlichen West Buttress (Depotmöglichkeit).
    Der Weiterweg verläuft links (nördlich) des Grates, fast immer einige Meter unter dem Grat. An einem markanten Gratturm mit Fixseil hat man die Höhenmeter fast geschafft, nun geht es fast eben direkt auf dem Grat weiter. Wo der Grat sich wieder einen Meter senkt, wieder links unterhalb weiter, Blockgelände mit einigen ausgesetzten Stellen (vereinzelt Sicherungsschlingen an den Blöcken). Am auffälligen schwarzen Fels geht es auf dem Schneefeld links des Grates hoch an die Ecke, und nach ein paar Metern Abstieg steht man im Bereich des Hochlagers (17200'). Man kann auch noch zehn Minuten weiter gehen und auf der nächsten Ebene zelten, die bekommt abends länger Sonne.
    Diese Etappe dürfte auch mit 5-8 Stunden zu Buche schlagen.
  • Vom Hochlager aus quert man den vergletscherten Hang zum Denali Pass (18200'). Da man einige Séracs umgehen muss, kann es steiler werden als die durchschnittlich 35°. Morgens liegt dieser Hang im Schatten und ist entsprechend kalt.
    Der Weiterweg zum Sattel am Archdeacon's Tower (19550') ist wieder flacher; man hält sich nicht allzuweit links des Grates. In der Gegend des Sattels sollte man sich den Rückweg gut einprägen, hier kann man im Nebel leicht zu weit nach links geraten. Nebel ist in der Gipfelregion recht häufig. Abstieg ca. 20 m aufs Football Field, das gerade aufs Kahiltna Horn zu durchquert wird. Der Steilhang dort hinauf ist unproblematisch (30-35°).
    Der Grat vom Kahiltna Horn (20120' nach Karte) zum Hauptgipfel (20320') sieht auf älteren Fotos völlig problemlos aus. Bei unserem Besuch war er über mehrere hundert Meter Strecke nur fußbreit, mit haltlosen Steilflanken auf beiden Seiten. Außerdem ist der Höhenunterschied zwischen den beiden Gipfeln kleiner geworden als auf der Karte, es sind nur 30 Meter.
    Unser Gipfelaufstieg dauerte 7 1/2 Stunden, der Abstieg 2 1/2 runter. Die Ranger geben für den Hin- und Rückweg 8 bis 18 Stunden als normal an, je nach Wetter und Verhältnissen.
Insgesamt ist alles bis zum Kahiltna Horn außer den 200 Metern an den Fixseilen und vielleicht ein paar Schritten in der Querung zum Denali-Pass reines Gehgelände. Sauberes Steigeisengehen ist natürlich Voraussetzung.
Literatur zu diesem Thema:
  • Die Besteigungsgeschichte aller gebräuchlichen Routen auf Denali, Foraker und Hunter ist im Buch "High Alaska" von John Waterman beschrieben. ISBN 0-930410-41-6
  • Die Landkarte "Mount McKinley 1:50000" von Bradford Washburn, herausgegeben von der Schweizer Landestopographie, dürfte für Denali-Besteiger ein Muss sein. Dass der Maßstab metrisch, die Höhenlinien aber in Fuß sind, ist etwas gewöhnungsbedürftig.

Wetter

Als günstigste Zeit gilt Mitte Mai bis Ende Juni. Vorher ist es noch kälter, und später wird das Wetter noch weniger stabil, und der Schnee auf den tiefergelegenen Gletschern wird matschig, so dass die Spaltengefahr dann zu groß ist.
Die Wettervorhersage, die man bei den Rangern im Medical Camp erfahren kann, gehört eher in den Bereich der Sage als sonstwohin. Das Medical Camp liegt höher als alle anderen Berge in 100 km Umkreis (außer dem Mount Foraker); daher kommen Stürme mit voller Wucht an den Berg. Die Wettervorhersage kann zwar vor Schlechtwettergebieten, die gerade im Anzug sind, warnen; eine genaue Wolken- und Niederschlagsprognose ist aber kaum möglich, weil der Berg das Wetter sehr stark lokal beeinflusst. Die stark vergletscherte Umgebung scheint auch oft eine Art Ausfrieren der Feuchtigkeit aus den einfließenden Luftmassen zu bewirken, wodurch sich nebelartige Wolken bilden, die bis 3500 - 4500 m hochreichen.
Die Temperaturen sind auf dem Kahiltna-Gletscher tagsüber mit Sonne angenehm, nachts (soweit Nacht vorhanden ist) -10 bis -15°C. Am Lager 11000' wird es zum ersten Mal deutlich kälter, hier gibt's nachts oft -20°C. Am Medical Camp nachts allgemein -25°C und tagsüber im Schatten nur wenig wärmer. Am High Camp hatten wir nachts regelmäßig -35°C oder tiefer.
Der Wind war während unserer Besteigung eher schwach, nie mehr als 70 km/h. An den exponierten Stellen und mit schwerem Rucksack ist aber auch das schon gefährlich. Am High Camp soll es öfters Stürme mit über hundert Meilen pro Stunde geben; dann muss man natürlich dort abwarten und hat hoffentlich die Schneemauern ums Zelt herum hoch und solide genug gebaut.

Besondere Ausrüstung

Was mir so an Ausrüstungs-Besonderheiten einfällt:
  • Stirnlampe und Zubehör - zuhause lassen. Es ist ab Mitte Mai immer hell.
  • Schuhe - nur die besten. Wir hatten Everest One Sport, die waren in Ordnung. Es kommt natürlich auch auf das persönliche Kälteempfinden an, aber ich denke am Denali sollte sich keiner mit Lederschuhen blicken lassen.
  • Schlafsack - es kann kalt werden; auch hier nicht sparen. Bei Schlechtwetter muss man schließlich eine Zeitlang darin aushalten. Wie kalt es im Zelt wird, haben wir nie gemessen, aber draußen sind es im Medical Camp regelmäßig unter -25°C, und im Hochlager wurde es abends immer unter -30°C kalt, einmal -37°C. Das alles natürlich gemessene Temperaturen und nicht etwa Windchill oder ähnlicher Zinnober. Durch das Kondenswasser/-eis im Zelt wird im Lauf der Tage alles ein wenig feucht und klamm, auch dafür sollte man genügend Reserve haben.
  • Zelt - wir hatten zu zweit ein normales und ein etwas bescheideneres Zelt dabei. Für die unteren Lager, und als "Wohnung" im Medical Camp ein Vaude Space I, und fürs Hochlager ein Vaude K2 Peak. Mit ersterem waren wir sehr zufrieden, das Hochlagerzelt war auf Dauer etwas eng. Aber zwei Zelte sind wahrscheinlich keine schlechte Idee. Man kann im Hochlager zwar ein paar Tage ausharren und auf gut Wetter hoffen, aber wenn das partout nicht kommt, ist ein gemütliches Zelt im Medical Camp sicher nicht schlecht, um sich für den nächsten Anlauf zu erholen.
  • Seil etc. - die Spaltengefahr schien uns Mitte/Ende Mai nicht extrem hoch. Wir hatten aus Gewichtsgründen ein 25m-Halbseil dabei, das wir aber nie auspacken mussten. Für die Fixseile am Aufstieg vom Medical Camp zur West Buttress ist eine Steigklemme von Vorteil. Statt eines Abseilachters kann man beim Abstieg auch die Karabinerbremse verwenden, das Gelände ist nicht so kritisch.
  • Anseilgurt, Sicherungsmaterial - das Übliche für eine mäßig schwierige Gletschertour, hauptsächlich für Spaltenbergung. Steigklemme für die Fixseile. An der West Buttress gibt es keine Kletterstellen, die besonders versichert werden müssten, wenn man im Schwierigkeitsbereich WS fit ist.
  • Markierungsfähnchen für Depots - die Markierungsstäbe kauft man beim Flugunternehmen. Damit man seine Sachen auch erkennt, sollte man z.B. ein Stück Absperrband aus dem Baumarkt rumbinden und den Namen draufschreiben. Also: Absperrband und wasserfesten Stift mitnehmen.
  • Markierungsfähnchen für die Route - haben wir nicht gebraucht, aber wir hatten ein paar von irgendwoher mitgenommene kleine Werbefähnchen dabei, um ggf. den Weg zu markieren. Beispielsweise bei irgendwelchen Events von Coca-Cola oder im Reisebüro oder sonstwoher organisieren.
  • Kocher - einen guten Benzinkocher, wir hatten beispielsweise einen MSR XGK. Bei Annie im Basislager gibt es Reinbenzin in Kanistern zu 1 Gallone (3.8 l). Wir hatten fürs Hochlager, und als Notfall-Ersatz, noch einen Gaskocher dabei, den wir im Hochlager verwendet haben. (Ein Gaskocher ist fürs Kochen im Zelt - bei ausreichender Belüftung natürlich - besser geeignet als ein Benzin-Flammenwerfer.) Unser Brennstoffverbrauch für zwölf Tage am Berg, zu zweit: 1.9 Liter Reinbenzin (für 9 Nächte) und eine 400 ml Gaskartusche Propan/Butan-Gemisch (für 3 Nächte im Hochlager). Wir sind allerdings keine allzugrossen Esser, und unsere Besteigung ging ja deutlich schneller als erwartet.
  • Ski - Im unteren Bereich, wo viel Strecke zurückzulegen ist, bringen sie etwas Geschwindigkeitsvorteil insbesondere beim Rückweg. Ab dem Lager 11000' profitiert man nur bei viel Neuschnee, denke ich.
  • Schlitten - Die Lastenmenge für drei bis vier Wochen bekommt niemand in den Rucksack hinein. Daher gibt es Schlitten, um einen Teil hinten anzuhängen. Wir hatten die Schlitten übers Flugunternehmen im Basislager ausgeliehen, das sind recht einfache Plastikteile. Schnüre und Karabiner zum Festmachen muss man selber mitbringen. Mit angehängtem Schlitten ist das Skifahren allerdings kein großes Vergnügen.
    Wichtiger Tipp: Um bei der Abfahrt den Schlitten langsamer zu machen (sonst überholt und umschlingt einen das Ding mit den Führungsschnüren ständig) sollte man Reepschnur ein- oder zweimal (je nach Dicke, 3-4 mm 2x, darüber 1x) quer zur Bewegungsrichtung über die Lauffläche des Schlittens binden. Dadurch wird er gebremst. Sonst ist die Abfahrt ein Höllenkommando.
  • Schneesäge. Da hätte ich fast das Wichtigste vergessen. Ein Fuchsschwanz tut's wohl auch, aber man kann auch eine kaufen (z.B. bei Globetrotter). Ohne Säge kann man keine Blöcke schneiden, die man fürs Mäuerchen ja braucht.
  • Essen: Müsliriegel, Schokolade, Süßigkeiten würde ich aus Deutschland mitnehmen. Gefriergetrocknete Hochlagernahrung ist in Alaska - wie fast alles - sehr teuer. Kartoffelpüree mit Milch (das man also nur mit Wasser anrühren kann) haben wir im Supermarkt nicht gefunden.
    Die Einfuhr von Fleisch und frischem Obst und Gemüse in die USA ist verboten; falsche Angaben bei der Einreise können Gerüchten zufolge großen Ärger verursachen. Wir hatten das Kreuzchen wahrheitsgemäß gemacht, wurden nur nach frischem Fleisch oder Obst gefragt und hatten somit mit unseren 10 kg Vorräten keine Schwierigkeiten. Einige Informationen zu Zollbestimmungen findet man external linkbei der US-Botschaft.

Anhang: Kurze Temperaturübersicht

Die nachfolgende Tabelle enthält eine Übersicht über die tiefsten Temperaturen, die wir während wir unterwegs waren hatten (d.h. es handelt sich nicht um die nächtliche Minimaltemperatur, die liegt darunter), und die am entsprechenden Tag geschätzten maximalen Windgeschwindigkeiten.
DatumEtappemin. Temp. °CWind km/h
16.05.2000Basislager - Ski Hill-1210
17.05.2000Ski Hill - 11000'-1330
18.05.200011000' - Depot - 11000'-1860
19.05.200011000'-1330
20.05.200011000' - Medical Camp - 11000'-1130
21.05.200011000' - Medical Camp-2010
22.05.2000Medical Camp-2510
23.05.2000Medical Camp - High Camp-2120
24.05.2000High Camp-2640
25.05.2000High Camp - Denali - High Camp-3530
26.05.2000High Camp - Medical Camp-2570
27.05.2000Medical Camp - Basislager-180

Anhang: Unsere Zeiten

Base Camp - Ski Hill6 h
Ski Hill - 110005 1/2 h
11000 - Medical Camp4 to 6 h
Medical Camp - High Camp6 1/2 h
High Camp - Denali7 1/2 h
Denali - High Camp2 1/2 h
High Camp - Medical Camp2 h
Medical Camp - Base Camp8 h

Anhang: Umrechnungstabellen

Da die USA als einziges zivilisiertes(?) Land der Welt immer noch an ihrem archaischen Maßsystem festhalten, habe ich anlässlich unserer Denali-Expedition ein paar Umrechnungstabellen aufgestellt. Sie finden sich auf einer gesonderten Seite.

Anhang: Kosten der Unternehmung

Zum Schluß noch eine kurze Kostenaufstellung. Die Angaben sind pro Person.
Betragin DM (US$-Kurs 2.00 DM)
Essen, in Deutschland eingekauftDM 5050
Medikamente, in Deutschland eingekauftDM 3030
Ausrüstung, in Deutschland eingekauftDM 2525
Hochlagernahrung u.a., in Deutschland eingekauftDM 7575
National Park Service, Denali Mountaineering Fee$ 150300
Talkeetna Shuttle$ 80160
Doug Geeting Aviation$ 281.25562.50
Flug FRA-LAS-SEA-ANC-FRADM 15001500
Hostel (3 Übernachtungen)$ 4590
Essenseinkäufe für Expedition, Anchorage$ 2346
Essenseinkäufe Anchorage$ 1530
Landkarten, Postkarten$ 1122
Ausrüstung$ 1326
Restaurant$ 3060
Fahrradmiete Anchorage$ 510
SUMME2986.50
Das waren unsere Ausgaben bis zur Rückkehr nach Anchorage. Die Kosten für die ganze Reise waren natürlich erheblich höher, weil wir noch zwei Wochen durchs Land gereist sind, einen Mietwagen hatten undsoweiter. Mit obigen Kosten dürfte man aber auskommen, wenn man wirklich nur an den Denali will. Wir wären mit den eingekauften Vorräten auch für anderthalb Wochen länger am Berg ausgestattet gewesen; vor dem Abstieg haben wir im Medical Camp eine ganze Menge verschenkt.
Wer aber früher vom Denali kommt, der sollte sicherlich nicht in Anchorage versauern und auf den Rückflug warten - Alaska bietet neben der weitläufigen und oftmals unberührten Landschaft auch eine ganze Menge an Tierwelt, der man auch tatsächlich, mitten in dieser Landschaft, begegnen kann. Da ist noch viel Platz für jeden.

WWW-Links zum Thema

Dass die obigen Unternehmen hier gesondert aufgeführt sind, heißt nicht, dass die anderen schlechter wären. Wir haben diese Unternehmen gewählt, waren zufrieden damit und können sie empfehlen. Mit den anderen haben wir eben keine Erfahrungen gemacht.

Andere Denali-Tourenberichte auf dem Web

(ohne Anspruch auf Vollständigkeit) Die obige Linkliste wird in Zukunft nicht aktualisiert. Neuere Denali-Berichte finden sich dann auf meiner Link-Liste unter "Expeditionen/7 Summits", "Alaska" oder "Persönliche Homepages". Dort wird auch regelmäßig aktualisiert.
Sie können den gesamten Denali/Alaska-Bericht, also beide Tagebuch-Teile und beide Info-Seiten, als Adobe Acrobat PDF-Datei (39 Seiten, 221 kB) laden (allerdings ohne Bilder).
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Letzte Änderung am 16. Januar 2001 durch Hartmut Bielefeldt